Was Black Lives Matter für NGOs bedeuten könnte - CIDSE

Was Black Lives Matter für NGOs bedeuten könnte

Vor zwei Wochen sprach ich bei der Demonstration von Black Lives Matter in meiner Heimatstadt Aachen. Zusammen mit vielen anderen Schwarzen und Farbigen wollte ich eine klare Aussage machen: Rassismus nimmt uns den Atem - in Europa. Und wir brauchen dringend Gesetze und Richtlinien, um das zu ändern.   

Während mich Weiße seit über 40 Jahren fragen, ob ich „Rassismus erlebt habe“, wissen wir das Rassismus ist in Deutschland üblich - und wahrscheinlich in jedem anderen europäischen Land. Es findet uns farbige Menschen persönlich, in Filmen, Büchern, Fernsehsendungen, auf Twitter, in der Schule, an Grenzen, in Unternehmen, auf dem Wohnungsmarkt… oder bei Begegnungen mit der Polizei. Und es findet weiße Menschen in Form von Repräsentation, Privilegien und Macht - genau an den gleichen Orten. Die beiden Seiten der Rassismusmedaille sind Diskriminierung und Privilegien. 
 
NGOs - ein weißer Club? 
Dies gilt auch für den Sektor der NRO (Nichtregierungsorganisationen). Als schwarze Frau bin ich es gewohnt, „die Einzige“ zu sein. Dies ist bei Veranstaltungen in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit und in der NGO-Szene nicht anders - es sei denn, es werden ausdrücklich „Gäste“ aus Ländern des globalen Südens eingeladen. Die meisten NGOs sind eine sehr weiße Gesellschaft. „White Charity“ ist der logische Name eines Films, der sich kritisch mit rassistischen Stereotypen des Fundraising durch deutsche Hilfsorganisationen auseinandersetzt. Aber leider, Alle anderen Bereiche unserer Organisationen sind ebenfalls „so weiß“. In Deutschland haben 25% der Bevölkerung einen sogenannten Migrationshintergrund (aufgrund der deutschen Geschichte gibt es keine Statistiken über „Rasse“). Wir sind jedoch seltene Ausnahmen unter den Vorstandsmitgliedern, Mitarbeitern und Unterstützern der überwiegenden Mehrheit der NGOs. 
 
Deshalb zögern wir sehr, Rassismus in unserer Arbeit zu diskutieren. Die Analyse, wie zentrale Rassenerzählungen des Kolonialismus in unserer Arbeit reproduziert werden, hat unsere Organisationen kaum erreicht. Die Erzählung des „Die Last des weißen Mannes" lebt weiter. Sei es in den genauen Zielen, Indikatoren und Maßnahmen von Freiwilligendiensten für „Entwicklungsprogramme“ oder Freitags für die Zukunft (FFF), die koloniale Erzählung geht weiter. Auch die globale Klimabewegung braucht eine weiße Retterin, Greta Thunberg. 

Ich denke, Greta ist eine erstaunliche und inspirierende Person. Aber warum schätzen wir das nicht? Ridhima Pandey , Isra Hirsi or Vanessa Nakate gleichermaßen? Das ugandische Nakate zum Beispiel wurde einfach von einem Pressefoto geschnitten zeigt junge Klimaaktivisten auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Dieser Vorfall ist symbolisch: Die Kämpfe und Beiträge von Schwarzen, Indigenen und Farbigen werden ausgelöscht. Eine globale Bewegung wird weiß getüncht. 

 
Dies geschieht natürlich nicht absichtlich. Leider schließt Rassismus böse Nazis oder den Ku Klux Klan nicht aus. Rassismus ist Teil der DNA der europäischen Geschichte, Politik und Philosophie, aber es gibt nur begrenzte allgemeine Kenntnisse darüber. Die Geschichte des transatlantischen Sklavenhandels und des Kolonialismus wird an deutschen Schulen weder ernsthaft gelehrt, noch ist ihre Bedeutung mit der Gegenwart verbunden. Daher wird das Wissen der meisten Menschen über diese Zeit hauptsächlich aus Filmen wie "Out of Africa", "Vom Winde verweht" oder "Django unchained" gespeist. Rassismus wird daher vor allem als Problem der „schlechten Menschen“ in den USA wahrgenommen, das in Europa seit langem überwunden ist. 
 
Leider sind die meisten Menschen in der Welt der NGOs keine Ausnahme. In den meisten Entwicklungsstudiengängen geht die historische Perspektive verloren. Nach dieser Lesart beginnt die Entwicklungszusammenarbeit mit der Ära der Unabhängigkeit, und die Auswirkungen des Kolonialismus werden bestenfalls in Bezug auf den globalen Süden analysiert, jedoch niemals in Bezug auf den globalen Norden. Meiner Ansicht nach sollten die kritischen Perspektiven der Machtverhältnisse in der Schwarz- und Dekolonialforschung dringend Eingang in den obligatorischen Teil der Studiengänge finden - und in die Weiterbildungsprogramme der Organisationen. 
 
Ich hoffe wirklich, dass Black Lives Matter NGOs dazu bringt, koloniale Mythen und rassistische Denkmuster und -strukturen loszuwerden. Damit wir endlich unseren Job richtig machen können: die Welt zu einem besseren Ort machen ... 

Marianne Pötter-Jantzen arbeitet in
Partnerschaften und Geberkontakte bei Misereor, CIDSE-Mitglied in Deutschland
Teile diesen Inhalt in sozialen Medien
Gesichert durch miniOrange