Leben in einer kohlenstoffarmen Gemeinschaft - CIDSE
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Leben in einer emissionsarmen Gemeinschaft

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Stefan Salzmann ist Desk Officer für Nachhaltigkeit beim Fastenopfer. Er ist der Vater eines 1-jährigen Sohnes und lebt in einer kohlenstoffarmen Gemeinde in Zürich (Schweiz) mit dem Namen „Kalkbreite“. In diesem Interview teilt er uns seine Erfahrungen mit.

 

 

 

 

Was ist das Projekt „Kalkbreite“ und wie engagieren Sie sich dafür?

Die Community ist als Genossenschaft organisiert. Es ist ein Haus mit 90-Wohnungen und 250-Bewohnern. Es gibt auch Unternehmen und Dienstleistungen. Es gibt ein Geschäft mit lokaler Küche, zwei Bars, ein Restaurant, einen Arzt und eine Zweigstelle der Schweizerischen Alternativbank. Aufgrund der Genossenschaftsstruktur müssen wir für unsere Miete einen bestimmten Betrag zahlen, der im Vergleich zu marktgerechten Mieten in der Innenstadt deutlich günstiger ist - das macht das Leben auch für gewöhnliche Menschen nachhaltig attraktiv.

Warum ist es wichtig, spezifisch und anders als das gemeinsame Produktions- / Verbrauchssystem? Wie transformiert sich das Projekt Kalkbreite? Könnte diese Initiative das Leben der Menschen verbessern?

Der Bau des Gebäudes erfolgte mit einem sehr geringen Energieeinsatz. Beispielsweise wurde so oft wie möglich recycelter Beton verwendet. Das Gebäude ist mit den höchsten verfügbaren Standards isoliert und der geringe zusätzliche Energieeintrag stammt aus dem Grundwasser. Sonnenkollektoren auf dem Dach liefern Strom. Während wir in diesem Gebäude leben, verbrauchen wir eine nachhaltige Menge an Energie - unser persönlicher Lebensstil ist natürlich nicht geregelt, außer dass wir kein Auto besitzen dürfen. Es gibt jedoch eine Carsharing-Genossenschaft um die Ecke.

Das Besondere an unserer Genossenschaft ist, dass wir den privaten Raum auf ein Minimum reduziert haben. Dadurch können wir weniger Energie verbrauchen (zum Bauen und Heizen). Stattdessen gibt es viele Räume, die über ein Reservierungssystem allen Bewohnern offen stehen. Es gibt eine Dachküche, eine Sauna, ein Musikzimmer, eine Holzwerkstatt, eine Bibliothek und so weiter, die offen sind und irgendwie geteilt werden. Dies bedeutet, dass wir nicht ohne einen gewissen Luxus leben müssen, um nachhaltig zu sein, und dies gibt einer breiteren Bevölkerung die Möglichkeit, nachhaltiger zu leben. Sie sind nicht unbedingt idealistisch, sondern nur an guten Lebensbedingungen interessiert. Das macht die Lösung „Kalkbreite“ für mich sehr interessant.

Was ist die Machbarkeit dieser Alternative? Wie hat es angefangen? Vor welchen Herausforderungen standen wir?

Es begann vor einem Jahrzehnt mit einigen Plänen, die der Stadt Zürich vorgelegt wurden. Der politische Wille der Stadt Zürich war für die Gesamtumsetzung des Projekts sehr wichtig. Ohne ihren politischen Willen hätte ein gewinnmaximierendes Unternehmen auf diesem Gebiet aufgebaut, um hohe Mieten und Gewinne zu erzielen.

Wie ist die Erfahrung, diese Initiative mit anderen zu teilen? Wie können diese Alternativen wiederholt und erweitert werden?

Eine Wiederholung dieser Idee ist möglich! Natürlich wird viel Zeit benötigt, um ein Haus für die Bewohner von 250 zu bauen, aber die Idee, das Konzept und die gewonnenen Erkenntnisse sind online verfügbar und für alle kostenlos: www.kalbreite.net [auf Deutsch]
Die Genossenschaft Kalkbreite baut bereits ein zweites Haus in der Zürcher Innenstadt an der Zollstrasse - mit dem gleichen Ziel: eine nachhaltige Lebensweise anzubieten.

Was ist Ihre Schlussfolgerung?

Nachhaltig leben heißt, den Konsum und den ökologischen Fußabdruck zu reduzieren. Dies könnte bedeuten, weniger zu verbrauchen, muss aber nicht unbedingt "weniger" bedeuten, wie das Beispiel "Kalkbreite" zeigt. Ich habe noch nie auf einem so kleinen ökologischen Fußabdruck gelebt, mit so hohen Lebensstandards, wie der Möglichkeit, eine Sauna zu genießen. Solche Lösungen sind notwendig und wir sollten sie fördern!

 

Link zum Kalkbreit-Projekt in der Schweiz: www.kalkbreite.net [auf Deutsch]

 

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