Die EU sollte gegen Rechtsverletzungen im Zusammenhang mit dem Bergbau in Lateinamerika vorgehen - CIDSE

Die EU sollte bei Rechtsverletzungen im Zusammenhang mit dem Bergbau in Lateinamerika vorgehen

Während Präsident Humala von Peru in Europa ist, um EU-Präsident Van Rompuy (Di12 Juni) und Mitglieder des Europäischen Parlaments (Mi13 Juni) zu treffen, äußert sich Geraldine McDonald von CIDSE besorgt über die jüngsten Episoden von Rechtsverletzungen in Peru.

In Peru hat in den letzten Wochen und Monaten die gewaltsame Unterdrückung und Kriminalisierung von Gemeinden, die sich gegen großangelegte Bergbauoperationen aussprachen, alarmierend zugenommen.

Das jüngste Beispiel stammt aus Espinar, wo Ende Mai gewaltsame Zusammenstöße ausbrachen, als spezielle Polizeikommandos, die in Aufstandsbekämpfung und Terrorismusbekämpfung geschult waren, entsandt wurden, um Protestierende zu zerstreuen, die die Zugangswege zum Minengelände Tintaya Marquiri blockierten, das den Anglo- Schweizer Firma Xstrata. Zwei Menschen wurden getötet und mehr als hundert verletzt, darunter viele Polizisten. Der Ausnahmezustand wurde ausgerufen, und die Regierung ermächtigte die Armee, die Polizei bei der Wiederherstellung der Ordnung zu unterstützen. 22 Personen, darunter drei Frauen, eine Minderjährige und zwei Mitarbeiter unserer Partnerorganisation, der Vicaria de Solidaridad de Sicuani, wurden auf einem Polizeiposten im Bergbaulager von Xstrata festgehalten.

Die Mitarbeiter wurden Berichten zufolge festgenommen, weil sie einen Gemeindeleiter begleiteten. Anschließend soll die Polizei 10-Kugeln von einer Schusswaffe in ihrem Auto gefunden haben. Dieser Vorwurf wird vehement zurückgewiesen und die Vicaria de Sicuani glaubt, dass er Teil einer Diffamierungsstrategie ist. In den folgenden Tagen wurden die 22 veröffentlicht, aber der Bürgermeister von Espinar, Oscar Mollohuanca, bleibt in Polizeigewahrsam. Berichten von Menschenrechtsorganisationen zufolge wurde bei seiner Festnahme das ordnungsgemäße Verfahren nicht eingehalten, und es bestehen ernsthafte Bedenken hinsichtlich der laufenden Gerichtsverfahren. Zum Beispiel wurde Herr Mollohuanca in eine 800km entfernte Region verlegt, um dort festgehalten zu werden, was gegen Bestimmungen der peruanischen Verfassung verstößt.

Präsident Humala wurde letztes Jahr gewählt, nachdem er versprochen hatte, mit sozialen Umweltkonflikten konstruktiv umzugehen, aber dies ist nicht geschehen. Der Rückgriff auf Ausnahmezustände, wie er in den letzten Monaten in Peru wiederholt vorgekommen ist, ist sehr besorgniserregend, da er die verfassungsmäßigen Rechte und bürgerlichen Freiheiten außer Kraft setzt und die Notsituationen normalisiert. Der Einsatz von Polizei und Streitkräften, manchmal durch Sonderverträge, zum Schutz der privaten Interessen transnationaler Unternehmen, wobei deren Sicherheit über die der Bürger gestellt wird, ist ein weiteres sehr ernstes Anliegen. Friedlicher Protest kann nicht mit Gewalt und Menschenrechtsverletzungen beantwortet werden.

Wie kann die EU eingreifen? Die europäischen Mitgliedstaaten und die EU, insbesondere Botschaften und Delegationen in lateinamerikanischen Ländern, sollten Menschenrechtsverteidiger, deren Rechte durch eine gründliche Umsetzung der Richtlinie verletzt werden, konkret unterstützen EU-Leitlinien zum Schutz von Menschenrechtsverteidigern. Der politische Dialog kann auch genutzt werden, um Besorgnis über die Unterdrückung, Stigmatisierung und Kriminalisierung von sozialen Protesten und Menschenrechtsverteidigern zum Ausdruck zu bringen, wobei die betroffenen Staaten aufgefordert werden, Gesetze, die eine Kriminalisierung gestatten und gegen internationale und regionale Verpflichtungen verstoßen, zu annullieren, aufzuheben oder zu ändern betrachten. Wenn europäische Unternehmen beteiligt sind, sollten zivil- und strafrechtlich bindende Gesetze zur Untersuchung und Bestrafung von Verstößen von Unternehmen herangezogen werden, um sicherzustellen, dass die Opfer Zugang zu wirksamen Rechtsbehelfen haben.

Geraldine McDonald ist Koordinatorin für Rohstoffe und Armut in Lateinamerika bei der internationalen Allianz der katholischen Entwicklungsagenturen CIDSE.

Weitere Informationen:

Im April veranstaltete 2011 CIDSE gemeinsam mit Partnern aus Peru, Kolumbien, Ecuador und Guatemala einen Workshop zur Kriminalisierung sozialer Proteste. Im Juli 2011 veröffentlichte CIDSE seine eigene Analyse des Problems (verfügbar in EN und ES) und im Juni veröffentlichte 2012 CIDSE a Gemeinsames Positionspapier (verfügbar in EN und ES) mit anderen betroffenen Organisationen.

 

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